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Isabell Varell – ganz intim

Die Sängerin und Moderatorin Isabel Varell ist bei Weitem kein Kind von Traurigkeit. Umso verwunderlicher ist es, dass ihre Kindheit von Entbehrungen und Demütigungen bestimmt war.

Am letzten Sonntag, den 14. Juni 2020, war die 58-Jährige Teil des RTL-TV-Magazins "Exclusiv", wo sie zum ersten Mal über ihre Kindheit und den möglichen Grund für ihr bewusst kinderloses Leben sprach. Besonders mit ihrem Gymnasium verbindet sie viele Erinnerungen. Eine der wenigen schönen Erinnerungen hat sie in ihrem aktuellen Album "Eine Tasse Tee" verarbeitet. Gemeint ist der Song "Mrs. Alice Morrison", in dem sie über ihre damalige Englischlehrerin singt.

Ansonsten erinnert sie sich nur ungern an die Schulzeit zurück, denn sie empfand sich selbst als hässlich, war aufmüpig und kassierte so das ein oder andere Mal einen Schulverweis. Dabei war die Schule immer noch ein besserer Ort, als ihr Zuhause, wo sie die Demütigungen und Wutausbrüche ihrer Mutter ertragen musste. Als Isabel gerade einmal neun Jahre alt war, trennten sich nämlich ihre Eltern, ihr Vater zog aus und ließ das kleine Mädchen bei der jähzornigen Mutter zurück.

Täglich bekam die Sängerin von ihrer Mutter eingebläut, dass sie ein hoffnungsloser Fall sei. So bekam sie Sätze wie "Du landest in der Gosse!" oder "Aus dir wird nie was!" an den Kopf geworfen. Mittlerweile weiß Isabel, warum ihre Kindheit so aus den Fugen geraten ist. Ihre Mutter hat die Scheidung einfach nicht verkraftet, was sie letztendlich an ihrer kleinen Tochter ausgelassen hat.

"Er war für sie das letzte Schwein. Das hat sie auch immer gesagt: 'Dein Vater ist ein Schwein.' Dann hat sie mir gesagt: 'Du bist wie dein Vater.' Damit wollte sie sagen, dass ich ganz schlimm bin. Und ich glaube, dass ihre Aggressionen und ihre gewaltätigen Ausbrüche darauf zurückzuführen waren, dass sie wahrscheinlich nicht mich geschlagen hat, sondern meinen Vater."

In ihrer demütigenden Kindheit liegt also der Grund, wieso sie heute bewusst keine Kinder haben wollte. Sie hat einfach Angst eine ebenso schlechte Mutter zu sein.

"Ich möchte nicht erziehen. Ich möchte nicht nicht sagen: 'Tu dies nicht, tu das nicht.' Vielleicht ist es auch eine ganz tief sitzende unterbewusste Angst, ich könnte womöglich so werden, wie meine Mutter. Ich weiß es nicht, aber irgendwie wird der Hase da begragen liegen."

Zum Glück ist Isabel Varell von ganz alleine wieder auf den richtigen Weg gekommen und hat sich letztendlich zu einer selbstbestimmten und aufgeweckten Frau entwickelt, die heute mit ihren Liedern, aber auch mit ihren Büchern und verschiedenen TV-Rollen die Gesellschaft bereichert.