Foto: Die JunX

Die JunX – Musiker mit viel Herz

Für viele Schlagerfans ist das Hamburger Duo Die JunX schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Es wird also höchste Zeit, beiden Musiker-Freunden ein wenig auf den Zahn zu fühlen. 

Die JunX, das sind die Freunde Christopher Garbers und Gunnar Schmidt aus Hamburg. Dass die beiden Männer aus dem Norden kommen, ist in ihrer Musik eindeutig herauszuhören, in der sie Deutschpop mit Schlager sowie ihre zwei unterschiedlichen Stimmenperfekt kombinieren.

2016 erblickte ihre erste Single „Das ist unser Moment" das Licht der Welt und seitdem geht die Karriere der beiden Nordlichter steil bergauf – Auftritte in der ARD-Sendung „Immer wieder sonntags...", Gigs auf der Partyinsel Mallorca und Konzerte vor mehreren Tausend Zuschauern.

Mittlerweile ist das Musiker-Duo mitten in der Produktion ihres zweiten Albums und wir wollten wissen, was in den Köpfen der beiden Künstler vorgeht.


Schlagerexperten: Ihr habt bereits auf vielen Live-Bühnen gespielt. Was macht euch als Duo aus?

Gunnar: Die Tatsache, dass wir als Duo unterwegs sind, hat viele Vorteile. Wir können uns als zwei Frontmänner mit durchaus unterschiedlichen Merkmalen als Typen auf der Bühne zeigen. Das macht es sicherlich auch interessant und abwechslungsreich für die Zuhörer, wenn wir uns musikalisch und in der Art mit dem Publikum zu interagieren die Bälle zuspielen können. So stehen zwei verschiedene Menschen auf der Bühne, die aber immer eine Einheit bilden, in dem was sie aussagen möchten mit der Musik und auch abseits der Bühne. Und es ist keine gecastete Band, sondern wir sind im wahren Leben durch dick und dünn gegangen und im Laufe der Zeit eben auch zusammengewachsen. Das ist - wenn man das sagen kann - das Geheimnis! Das macht uns aus!

SE: Welche Dinge sollten auf keinem Fall im Tourgepäck fehlen?

Christopher: Für mich ist es das Kleingeld in der Hosentasche, mit dem ich Gunnar und unseren Tourtechniker und Freund Jockel gerne mal nach dem Auftritt an der Tanke zum Belohnungseis einlade.

Gunnar: Ich packe immer meine Lederjacke ins Tourgepäck, auch wenn es 30 Grad im Schatten ist (lacht). Für mich ist es eine Art Symbol von Freiheit, Abenteuer - on the road zu sein. Und die Jacke steht für mich für dieses Gefühl.

SE: Hand aufs Herz! Gibt es auch mal Streit oder ist es bei euch stets harmonisch?

Christopher: Es gibt wie in jeder guten und echten Freundschaft auch Auseinandersetzungen bei uns. Das ist doch völlig normal und gehört auch zu einer funktionierenden geschäftlichen Beziehung dazu. Denn wenn wir immer nur einer Meinung wären, würde der oben beschriebene Unterschied ja nicht bestehen und auch nicht diesen Reiz entfalten können. Es geht nur darum, unterschiedliche Ideen, Auffassungen oder wie auch immer in Respekt vor dem anderen zu formulieren. Wenn wir eine unterschiedliche Meinung zu einer Textidee oder Melodie haben, dann beharren wir schon mal gegenseitig darauf, weil jeder von uns sich ja auch Gedanken gemacht hat und somit auch die Berechtigung hat, sie einzubringen. Demokratie ist das Zauberwort auch hier. Und glücklicherweise gibt es ja auch ein Team (z. B. der Produzent Mark), der mit in den Entscheidungsprozess eingebunden wird. So kommt dann oft auch noch eine dritte Meinung dazu, die aus ganz anderem Blickwinkel dazu beitragen kann, die Ideen zu kombinieren.

SE: Corona hat die Künstlerbranche besonders hart getroffen und viele eurer Kollegen denken bereits über ein Plan B nach. Kommt das auch für euch in Frage?

Gunnar: Definitiv NEIN! Wir haben uns vor einigen Jahren bewusst für den Hauptberuf als Musiker entschieden, nachdem wir auch schon eine Laufbahn in anderen Berufen (als Kaufleute) hinter uns hatten. Diese Entscheidung bereuen wir bis heute nicht. Dennoch werden wir durch CORONA natürlich wie viele unserer Kollegen auf eine harte Probe gestellt. Die wenigsten aus unserer Branche haben so große Rücklagen, dass sie eine solche Phase ohne Probleme überstehen können. Auch wir nicht! Deshalb hoffen wir natürlich, dass wir sehr bald wieder auf die Bühne zurückkehren können. Denn damit verdienen wir hauptsächlich unseren Lebensunterhalt.

SE: Welche positiven Dinge habt ihr durch die Corona-Krise erfahren?

Christopher: Wir haben gelernt, dass nichts von dem, was wir als gegeben und normal ansehen selbstverständlich ist. Wir sind in einer Zeit aufgewachsen, in der es keine wirkliche Not, keine finanziellen Katastrophen oder Existenzängste gegeben hat für uns. Gott sei Dank leben wir in einem Land, welches uns großen Wohlstand und Freiheit bietet. Das erste Mal ist jetzt unsere persönliche Freiheit eingeschränkt und das stellt uns vor eine Herausforderung. Wir haben in diesen Wochen und Monaten viele sehr positive Erlebnisse gehabt. Menschen, die sich frei von eigenen Interessen für Nachbarn, alte Menschen engagiert haben, ohne nach dem „Lohn" dafür zu fragen. Menschen haben Verzicht geübt, haben zusammengestanden, um andere nicht zu gefährden. Wir finden, darauf kann die Gesellschaft als Ganzes sehr stolz sein!

SE: Eine Frage die unsere Leser sicher brennend interessiert: Nach „BÄM!" arbeitet ihr zur Zeit an eurem nächsten Album. Was dürft ihr bereits hierzu verraten?

Gunnar: Es wird eine Weiterentwicklung geben, die sich in Musik und Texten widerspiegelt. Wir haben das Glück gehabt, den wohl erfolgreichsten Produzenten im deutschsprachigen Pop, Mark Smith, kennenlernen zu dürfen. Wir haben uns sofort menschlich wunderbar verstanden. Nach der ersten „Test"-Produktion unserer Weihnachts-Single „Stille Zeit" stellten wir gegenseitig fest, wie ähnlich wir musikalisch und menschlich ticken. So haben wir entschieden, mehr miteinander zu arbeiten. Inzwischen ist klar, wir machen ein ganzes Album zusammen. Die internationale Erfahrung und das musikalische Feingespür von Mark haben uns überzeugt. Und die Professionalität seiner Arbeit beflügelt uns zu ganz neuen Ideen und Herangehensweisen im Schreiben von Songs. Das ist super spannend und ist auch definitiv in den Produktionen zu hören und zu fühlen.

SE: Für eure Heimat Hamburg Bergedorf schreibt ihr derzeit auch eine eigene Hymne. Wie kam es zu diesem musikalischen Projekt?

Christopher: Wir wurden vor einiger Zeit schon von einer Unternehmergemeinschaft aus unserem Hamburger Stadtteil Bergedorf angesprochen, ob wir es uns vorstellen könnten, unserer Heimatregion ein Lied zu schreiben. Wir fühlten uns natürlich geehrt, für ein solches Projekt vorgeschlagen zu werden und haben uns daran gemacht, Ideen für einen solchen Song zu sammeln. Dann kam Corona. Wir haben sofort mit dem Partner für dieses Projekt gesprochen und waren einhellig der Meinung, dass gerade und genau jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Song da ist, der sich mit der heimischen Region beschäftigt. Der Shutdown hat uns allen vor Augen geführt, wie wichtig das Miteinander, die lokalen Angebote von Handel und Gastronomie, Kultur und die Gemeinschaft sind bzw. was fehlt, wenn sie nicht da sind. Es war also klar, dass genau jetzt der richtige Moment für einen Bergedorf-Song ist! Wir wollen versuchen, so viele Menschen wie nur möglich damit anzusprechen, denn unser Stadtteil ist sehr bunt und hat viele Facetten: Stadt, Kultur, Naherholung und einfach tolle Menschen!

SE: Mit wem würdet ihr gerne mal zusammen einen Song aufnehmen?

Gunnar und Christopher gleichzeitig: Mit Udo Lindenberg (lachen). Er hat eine unverwechselbare Kunstfigur und Sprache erfunden und damit die deutsche Musiklandschaft geprägt. Und er wohnt in Hamburg, das verbindet uns natürlich auch!

SE: Ihr seid auch sozial sehr engagiert. So setzt ihr euch für den Verein NCL-Nächstenliebe e.V. ein. Bitte erzählt uns, wie es dazu kam und um welche Krankheit es sich bei NCL handelt.

Die JunX: 2016 lernten wir einen jungen Mann kennen, der im Rollstuhl sitzt und an NCL erkrankt ist. Es ist eine Krankheit, die im Alter von etwa sechs Jahren auftritt, und in kürzester Zeit zu Erblindung und Beeinträchtigung sämtlicher kognitiver Fähigkeiten führt. Sprechen und Laufen ist bald nicht mehr möglich, und die Lebenserwartung sinkt rapide. Die Betroffenen werden meistens nicht älter als 25 Jahre. Ein schweres Schicksal, welches uns erschüttert hat. Unser betroffener Freund und seine Familie gehen mit diesem Schicksal beeindruckend positiv um. Die Mutter von „unserem" Jan hat einen Verein (NCL-Nächstenliebe e.V.) gegründet, als diese Krankheit noch gänzlich unbekannt war. Inzwischen arbeitet ein Forschungsteam am UKE in Hamburg an der Forschung und möglichen Therapien, um NCL vielleicht einmal heilen oder stoppen zu können. Wir wurden vom Verein NCL-Nächstenliebe im letzten Jahr vorgeschlagen, die Schirmherrschaft zu übernehmen. Wir haben sofort ja gesagt, denn Jan ist ein glühender Fan unserer Musik. Er kann trotz seiner stark eingeschränkten Fähigkeit zu sprechen unsere Songs mitsingen und ist ein gern gesehener Gast auf unseren Auftritten, soweit es die Krankheit zulässt. Das hat unsere Herzen geöffnet und gezeigt, was Musik im Allgemeinen erreichen und bewirken kann. Deshalb setzen wir uns jetzt mit ganzem Herzen für die Arbeit des Vereins und der Forschungsgruppe NCL am UKE Hamburg ein.

SE: Zum Schluss: Bitte ergänzt den Satz „Ein Leben ohne Musik, ..."!

Christopher: kein Leben!

Gunnar (lacht): Ich kann nur zustimmen und Dir, wie so oft, Recht geben!

SE: Vielen Dank für dieses schöne und offene Gespräch! Wir drücken euch sowie euren Fans die Daumen, dass ihr bald wieder eure Live-Auftritte nachholen könnt, und sind schon sehr gespannt, wie euer nächstes Album klingen wird.